Morgan Sports Car Club Deutschland

Oldtimer Grand Prix 2013 - doch noch 'mal schwach geworden!

Es war irgendwann im April, als ich bei Richard Thorne war, um ihm meinen "Green Piece" zum Verkauf abzuliefern, den er mir zu einem guten Kurs auf ein
"Baby Doll" - Modell in Zahlung nehmen wollte - "I wonder, what YOU could do with it on the track" - das hatte mir ziemlich geschmeichelt und so hatte ich mich auf diesen Deal eingelassen, obwohl ich keine schriftliche Zusage von ihm hatte.

Wir hatten nur vereinbart, dass, wenn die Sache, was extrem unwahrscheinlich wäre, NICHT klappen sollte, ich den von mir bereits zusammengestellten "Baby Doll" nicht abnehmen muss und er mir meinen Plus 4 wieder auf seine Kosten zurückbringt.

Aber wie die ehemaligen, super erfolgreichen Geschäftsleute, die sich dann auf ihre alten Tage in ihren Villen auf Mallorca über's Ohr hauen lassen, ließ ich mich von ihm "einlullen" und glaubte wirklich (als ebenfalls ehemaliger Autohändler!!), so etwas ginge auf einmal auch ohne Vertrag, aber wenn zur Schmeichelei auch noch die Leidenschaft kommt, gibt es wohl ab einem bestimmten Alter kein Halten mehr!

Dann hatte er mir noch ein weiteres Mal geschmeichelt, Richard, wie wir ihn alle kennen, ganz der perfekte Verkäufer, als er mich ganz nebenbei fragte, ob ich nicht einen 1965-ger PLUS 4 mit 1500 ccm Motor von seinem Kunden zusammen mit ihm und dem Kunden als dritter Fahrer beim Oldtimer GP beim Langstreckenrennen mitfahren wolle. (Gegen finanzielle Beteiligung NATÜRLICH)

"You with Your experiences on the famous Nordschleife" - das "saß", und kaum hatte ich in dem weißen, wunderschönen und perfekt vorbereiteten Plus 4 mit Hardtop eine Sitzprobe gemacht, war es auch schon um mich "geschehen". Ich sagte zu.

Alles natürlich unter dem Aspekt, zum Zeitpunkt des Rennens ganz bestimmt stolzer Besitzer eines 2013-er "Baby Doll" zu sein und nicht mehr der Besitzer meines TOUR AUTO OPTIC erprobten 1965-ger Plus 4 - da MUSS man doch noch 'was Historisches, wenn schon nicht mehr besitzen, so doch wenigstens fahren!

Und dann noch "Meine Nordschleife" - vor ca. 40 Jahren dort die ersten Rennen, zwei Mal das 18 Stundenrennen auf Porsche 912 mit Klassensiegen und 911 T, der Vorgänger des nun so berühmten 24 Stunden Rennens, dann das 300 KM Rennen auf Porsche, zusammen mit HJ. Stuck IM SELBEN RENNEN!

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Aber dann kam das vorläufige Ende meiner studentischen, beginnenden Karriere- ein Unfall bei einer Nordschleifen Rallye in einem 914/6 - und das auch noch als Beifahrer und daher völlig unverschuldet, aber trotzdem das Ende der Großzügigkeit meiner Mutter, die mich, eher ungewollt, mit Vorführwagen aus dem Porschefuhrpark gesponsert hatte.

Später, als ich mich im Historischen Motorsport wieder rennmäßig mit den ersten Porsche 356 Carreras einstimmte, gab es dann weitere Nordschleifeneinsätze: mehrmals Historisches 24-Stundenrennen und das 3 1/2 Stundenrennen beim Oldtimer GP, klar, immer auf Porsche, bis es (wieder) zu einem von mir unverschuldeten Unfall kam, dieses Mal durch meinen zweiten Fahrer, und der 911 T 2,2 L mit kurzem Radstand praktisch einem Totalschaden erlag.

Von da an gab es ja nur noch Morgans und keine Nordschleife mehr, doch, 'here we are', jetzt die Möglichkeit zum "Comeback" mit einem tollen Morgan!

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Es kam, wie es kommen musste, denn "Green Piece" kam, und zwar zurück.

Kein "Baby Doll", aber trotzdem blieb meine Zusage zum Oldtimer GP stehen.

Denn der Ehrgeiz, es noch einmal zu versuchen, blieb. Ein kurzes Training mit "Green Piece" um herauszufinden, wie sich ein alter Morgan denn auf der Nordschleife so fährt , war nicht gerade erquicklich, weil um mich herum nur moderne Porsche & Co düsten und von Training keine Rede sein konnte.

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Dann das Treffen mit Richard und dem Eigentümer des schönen Morgan, Roger Whiteside, den ich nun endlich kennen lernte. Er reiste sehr stylisch mit einem AERO 8 an, Richard und sein Mechanikerteam mit Wohnmobil und Anhänger brachten den Racer.

Im Fahrerlager besprachen wir dann unsere Taktik - ich sollte natürlich im Training für eine gute Startposition sorgen und Roger wollte den ersten Stint fahren.
Dann Richard den zweiten, und ich wieder nach dem Auftanken die letzte Stunde und 10 Minuten bis zum Abwinken.

Nach Bekanntgabe meiner Trainingszeit kam erst einmal Ernüchterung. Ich hatte es gerade einmal in die viertletzte Startreihe geschafft, aber eigentlich kein Wunder, denn das Starterfeld bestand praktisch nur aus ganz heißen Boliden, bis auf wenige Ausnahmen in unserer Klasse, wollten wohl ALLE um den Gesamtsieg fahren.

Unsere Klasse ließ auch nicht besonders hoffen, denn schon nach der Papierform sahen wir nicht nur aus wie ein verirrtes Vorkriegsfahrzeug im Starterfeld sondern waren auch nicht einmal besonders kräftig motorisiert- ein Lotus Elan in unserer Klasse mit mindestens 185 PS ist da ja etwas ganz anderes!

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Allerdings muss ich zur Ehrenrettung sagen, dass der "Kleine" ganz fantastisch lief und sogar Drehmoment hatte, allerdings, was das Fahrwerk anging, hatte ich den Eindruck, da lägen WELTEN zwischen ihm und meinem 4/4Competition von 2010, ganz zu schweigen von einem 1965-ger Porsche.

Aber C'est la vie !

Im Rennen schlugen wir uns sehr tapfer: keine technischen Probleme, nur einmal Nachtanken für meinen letzten Stint, so dass wir nach dem Abwinken nach 3 1/2 Stunden den 20. Platz im Gesamtklassement hatten und dazu noch Klassensieg, weil unser letzter, noch übrig gebliebener Gegner vor seiner letzten Runde tanken musste und ich mich dadurch in der letzten Runde vor ihn setzen konnte.

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Das gefiel Richard und Roger natürlich sehr gut. Für mich war der Rennstint allerdings im Gegensatz zum Training eher unangenehm- ich hatte das Gefühl, als wollte der "Kleine" nicht mehr dahin, wo ich hin wollte. Ob es da ein technisches Problem gab, weiß ich bis heute nicht, eventuell waren die Stoßdämpfer der Nordschleife nicht auf Dauer gewachsen, aber egal, wir hatten alle drei Spaß und waren super happy über unseren KLASSENSIEG.

Insgesamt waren bei unserem "Marathon" 44 Fahrzeuge gestartet, davon 4 ausgefallen.

Keep Morganing - Euer Ingo