Morgan Sports Car Club Deutschland

Lew Spencer Cup Finale auf dem Anneau du Rhin


Die Teilnehmer des Finallaufes zum Lew Spencer Cup trafen sich Mitte Oktober im Breisgau - nach einer für manche mehr oder weniger feuchten Anfahrt. Oliver hatte ein heimeliges Landgasthaus ausgesucht, bekannt für nette Zimmer und gute Küche... Leider waren wir nur zu sechst, Manfred war verhindert und Axel hatte einen Trauerfall in der Familie zu beklagen.

Bernd`s Aero wird schon für die nächste Saison "vorbereitet", aber bewaffnet mit Tabak und Kamera scheute er die weite Anreise nicht, um unsere Bemühungen fotographisch zu dokumentieren. (Später erfuhren wir von Ralf`s Erschrecken, als er auf einmal entdeckte, dass es hinter einer Leitplanke qualmte - er befürchtete schon einen schlimmeren Unfall. Aber Bernd hatte sich nur mal eine kleine "Fotopause" gegönnt...)

Wie üblich von Stefan zu frühzeitigem Aufbruch angetrieben, ging es am Freitagmorgen im herbstlichen Frühnebel zur Rennstrecke -Anneau du Rhin heisst zu Deutsch Ring des Rhein`s-, wo wir, nach 30 Minuten Anfahrt,  als erste Gruppe um Punkt 8.00h eintrafen. Organisiert und eingeladen hatte der Gentlemen Drivers Cup; der, gemeinsam mit einem Porscheclub, ebenfalls den Finallauf seiner Meisterschaft austrug.

Das Fahrerlager füllte sich zusehends, jede Menge Porsche, Morgan, einige Lotus und auch ein Abarth Formel V sorgten bald für beengte Verhältnisse auf den Parkplätzen. Der üblichen Fahrerbesprechung folgte eine gemeinsame Streckenbesichtigung, in der Siggi - z.Zt. Führender des Gentlemen Drivers Cup- auf die neuralgischen Punkte der im August neu asphaltierten Strecke hinwies - doch dazu später mehr...
Dann ging es endlich los, aber trotz der mittlerweile durchbrechenden Sonnenstrahlen waren Luft- und vor allem die Asphalttemperatur noch im kritischen Bereich; zusammen mit dem nagelneuen Streckenbelag hiess es: mit äusserster Vorsicht beginnen! Im ersten Stint konnten sich auch alle Teilnehmer entsprechend im Zaume halten, hatte man doch schon bei der Ausfahrt aus der Boxengasse mit einem ausbrechenden Heck zu kämpfen. 

Der Hochnebel hatte sich dann bald gänzlich aufgelöst; aber, dass ein paar Minuten blauer Himmel und Sonnenstrahlen noch keinen Sommer, und schon gar keine optimale Asphalttemperatur machen, konnte man bald am Beginn der langen Gegengraden zurück zum Fahrerlager sehen. Als ich, nach einem kurzen Stopp zur Reifendruck-Prüfung, wieder auf die Strecke ging, zeigten sich dort lange, ineinander verwundene schwarze Striche auf der Strecke. Sie begannen am äusseren Curb ausgangs der Kurve, um dann in einem Reifenstapel auf der gegenüberliegenden Streckenbegrenzung zu enden, dekoriert mit jeder Menge Dreck und Sand aus dem Fahrbahnrand.

Ein eindrucksvoller Beweis, wie Recht unser Instructor Siggi mit der Warnung hatte, auf keinen Fall über die Curbs hinauszufahren: nach dem dann einsetzenden Höhenabsatz verliere man das Auto zwangsweise! 

Man mag es ahnen, ich wusste es aber erst eine Runde später: am Einschlag stand Siggi und sammelte die Überbleibsel der Frontpartie seines Roadsters auf; Lampe, Nummernschild usw. Sein Glück im Unglück: trotz verbogener Front und nicht mehr ganz originaler Spur konnte er den Tag weiter bestreiten und sogar noch den 2. Platz des GDC belegen.

Obwohl völlig unverschuldet hatte Oliver kurze Zeit später weniger Glück: sein Motor schaffte es gerade noch auf den Anhänger, bevor er endgültig fest ging. Schade, schade - aber Oliver war froh, ausnahmsweise einmal mit Hänger angereist zu sein...

Alle anderen konnten den ganzen Morgen in 40 Min. Stints frei fahren, unterbrochen von den 20 Min. Läufen der Porsche Fraktion, die sich offensichtlich vorgenommen hatte, diesem Tage je einen Satz Michelin Cup Reifen zu opfern - vielleicht hat das den französischen Wettergott so milde gestimmt, uns mitten im Herbst einen derart blauen Himmel zu liefern.
Nach einem vom GDC organisierten Mittagsbuffet konnte man sich mit einigen freien Runden nochmals einstimmen, dann wurde es Ernst und die Wertungsläufe begannen. Wegen des grossen Starterfeldes mussten diese in zwei Gruppen gefahren werden, und es konnte auch nicht im Minutentakt gestartet werden: die Starter sollten die gemeinsame Einführungsrunde nutzen, um sich entsprechende Abstände nach vorne und hinten zu schaffen. Dabei wird dann natürlich nicht allzu schnell gefahren, und obwohl es manchem dann unter dem Helm etwas zu heiss wird, bleiben die Reifen trotzdem kalt. 
So konnte unser Präsident die zweite praktische Beweisführung des Tages vornehmen: in Kurve 3 hat er beim Beschleunigen die Strasse wohl so erschreckt, dass sie ihm einfach davonlief - Stefan hat sie zwar wieder einfangen können und landete nicht auf dem Rasen, aber bei diesem Manöver wurde auch ein weiterer Lightweight so bedrängt, dass sich die beiden anschliessend nicht, wie gestartet auf Platz zwei und drei, sondern irgendwo im hinteren Feld befanden. Ich vermute, Stefan kann gar nicht so langsam fahren, dass er in den folgenden Wertungsrunden die Zeit eines Drehers berücksichtigt - und so hat er sich dann auch mit dem kompressorbewerten Lightweight aus dem GDC ein spannendes Duell geliefert, dass er im letzten Drittel des Laufes für sich entscheiden konnte. 

Seine Freude darüber wollte er möglicherweise allen Zuschauern im Fahrerlager mitteilen, bevor diese von Anderem abgelenkt werden - und er verliess die Strecke kurzerhand eine Runde bevor die schwarz-weiss karierte Flagge geschwenkt wurde! Tatsächlich folgte er aber einem vorausfahrenden in die Boxengasse im Glauben, das Rennen sei bereits ab gewunken. Das gab dann nur noch zwei "Ehrenpunkte" - und sorgte damit für eine kleine Sensation: seine eigentlich nur noch theoretisch gefährdete Führung im Lew Spencer Cup war nun auch wirklich einholbar! Jetzt war Ralf gefordert, der, bei entsprechender Punktzahl, Stefan den Cup noch streitig machen konnte.

Und Ralf hat seine Chance mit dem ihm eigenen Killerinstinkt wahrgenommen: superschnell und extrem gleichmässig. Dem wie entfesselt gefahrenen 4/4 Competition konnte man auf dieser Strecke auch mit 8 Zylindern nicht mehr folgen, selbst gegen Stefan verlor Ralf pro Runde zeitweise nur  zwischen 3 und 4 Sekunden. Zu seiner eigenen Setzzeit aber fuhr er sogar meistens innerhalb einer Sekunde, mit Abweichungen von wenigen Hundertsteln! Nun wird Marita -zumindest im nächsten Jahr- auf eine dekorative Skulptur im Wohnzimmer verzichten müssen...

Mit den beiden Läufen in Anneau du Rhin hat Ralf seine konstante Steigerung über die gesamte Saison nochmals getoppt und sich sehr verdient die Hausherrschaft des Lew Spencer Cup`s eingefahren - Glückwunsch für eine tolle Saison und einen sensationellen Finallauf!
Nicht ganz so sensationell, aber doch eher ungewöhnlich, wurde der zweite Platz vergeben: Michael brachte mit Wolfgang Mehl ein neues Gesicht in die Runde: der Konstanzer Briten-Liebhaber befuhr mit seinem frühen +8 erstmals eine Rundstrecke. Und das gleich so regelmässig, dass er Michael auf die Plätze verwies, der dann den 3.Rang belegte.
Das Finale in Anneau du Rhin ergab nicht nur ein kaum für möglich gehaltenes Endergebnis im Lew Spencer Cup, es beendete auch eine tolle und unfallfreie Saison, in der auch -bis auf Olivers Motorschaden- keine grösseren Defekte zu verzeichnen waren. Oliver jedenfalls trug`s mit Fassung, schliesslich weiss man seit Schumpeter über die kreative Kraft der Zerstörung: "...und wenn man den Motor ohnehin von Grund auf machen muss, dann könnte man natürlich auch...vielleicht so mit 250 PS..."

Wie sehr allen dieses letzte Rennen und auch die ganze Saison gefallen hat, konnte man dann noch am Frühstück des Abreisetages erleben: bevor sich alle in die viel zu lange Winterpause voneinander verabschiedeten, wurde noch mal allen Ernstes darüber sinniert, wie man die Wartezeit zwischen den Rennen verkürzen könnte: "...ob man nicht schon im Januar in Dubai...oder Abu Dhabi...Interlagos wäre auch nicht schlecht..."

Achim Niemeyer

PS
Ganz persönlich möchte ich (der ja erst in Metz mit dem MSCCD in Berührung kam) noch anfügen, wie sehr mir unsere gemeinsamen Wochenenden gefallen haben. Jede Veranstaltung war wirklich eine Freude, mit -wie ich trotz der kurzen Zeit schon sagen möchte- Freunden. Am besten umschreibt das noch der Kommentar meines Sohnes, der mich in Anneau du Rhin erstmals begleiten konnte: "Jetzt verstehe ich, warum Du da überall so gerne hinfährst - das ist ja eine tolle Truppe..." 
Ich freue mich schon jetzt auf Papenburg!